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China 2026 – Zehn Jahre später

Manche Reisen plant man lange. Andere entstehen aus Freundschaften.

Vor zehn Jahren heiratete mein Freund Martin seine chinesische Frau Min. Die Hochzeit wurde zunächst in München gefeiert – und eine Woche später noch einmal in China.

Damals konnte meine Frau nicht mitreisen, da unsere Tochter Svenja noch zu klein war. Zehn Jahre später bot sich nun die Gelegenheit, dieses besondere Kapitel noch einmal gemeinsam zu erleben. Anlässlich des 10. Hochzeitstages machten sich 11 Freunde auf den Weg nach China, um den 10. Hochzeitstag zu feiern.

Dankenswerterweise wurde Svenja von der Schule für dieses außergewöhnliche Abenteuer beurlaubt. Schließlich lernt man manche Dinge nicht aus Büchern, sondern nur, wenn man sie selbst erlebt.

Willkommen in Yunnan

Nach vielen Stunden Anreise landeten wir in Kunming, der Hauptstadt der südwestchinesischen Provinz Yunnan.

Für viele Europäer ist diese Region ein nahezu unbekannter Fleck auf der Landkarte. Touristen aus dem Ausland trifft man hier nur selten. Entsprechend überrascht waren wir, wie wenig Englisch gesprochen wird. Also kommunizierten wir mit Händen, Füßen, Gesten, viel Lachen und einer großen Portion Improvisation. Und der Google Übersetzer half auch ein wenig…  Und erstaunlicherweise funktionierte das besser, als man denken würde.

Denn auch wenn man die Sprache des Gegenübers nicht spricht, versteht man Freundlichkeit, Herzlichkeit und echtes Interesse überall auf der Welt.

Eine Woche voller Begegnungen

Die Feierlichkeiten zum Hochzeitstag waren weit mehr als nur ein einzelnes Fest.

Mehrer Tage wurden wir von verschiedenen Familien eingeladen. Fast jeden Tag standen neue Treffen, gemeinsame Essen und kleine Feiern auf dem Programm.

Dabei wurde uns immer wieder bewusst, welch wichtige Rolle Familie in China spielt. Mehrere Generationen kommen zusammen, kümmern sich umeinander und verbringen viel Zeit miteinander.

Für uns bedeutete das vor allem eines: unglaublich viel Essen.  (mit Stäbchen…)

Und wenn wir dachten, wir hätten gerade ein großes Festmahl hinter uns, wurde bereits die nächste Spezialität serviert.

Die Gastfreundschaft war überwältigend. Überall wurden wir herzlich empfangen und wie Familienmitglieder behandelt.

Mit der Zeit wurden wir in den Orten zu einer kleinen Attraktion.

In vielen Orten begegnet man nur selten europäischen Besuchern. Entsprechend groß war die Neugier. Fotos wurden gemacht und manchmal hatten wir das Gefühl, selbst Teil einer Sehenswürdigkeit geworden zu sein.

Auf dem Weg nach Shangri-La

Nach den Feierlichkeiten zog es uns weiter nach Norden.
Unser Ziel war Shangri-La – eine Region am Rand des tibetischen Hochlandes, oft als „Tor zu Tibet“ bezeichnet.

Je weiter wir fuhren, desto spektakulärer wurde die Landschaft. Hohe Berge, tiefe Schluchten, grüne Täler und gewaltige Panoramen wechselten sich ständig ab. Die Natur wirkte stellenweise fast unberührt.

Hier zeigte sich ein völlig anderes China als das Bild der großen Metropolen mit Millionen Einwohnern, Hochhäusern und modernen Verkehrsnetzen.

Stattdessen erlebten wir weite Landschaften, buddhistische Einflüsse und eine Ruhe, die man in Europa nur noch selten findet.

Mehr als eine Reise

Wenn ich auf diese Reise zurückblicke, denke ich nicht zuerst an Sehenswürdigkeiten oder schöne Fotos.

Ich denke an Menschen.
An Freunde, die seit zehn Jahren verheiratet sind.
An Familien, die uns aufgenommen haben, als würden wir dazugehören.
An Gespräche, die trotz Sprachbarrieren funktioniert haben.

Und an die Erkenntnis, dass die schönsten Reisen oft nicht die sind, bei denen man möglichst viele Sehenswürdigkeiten abhakt. Sondern die, bei denen man Menschen kennenlernt und ein kleines Stück ihrer Welt verstehen darf.

China hat uns erneut gezeigt, dass Gastfreundschaft keine gemeinsame Sprache braucht.
Manchmal reichen ein Lächeln, ein gemeinsames Essen und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.

Und genau deshalb wird uns diese Reise noch lange in Erinnerung bleiben.
Und hoffentlich das nächste Mal schon in 5 Jahren….