Neben den spektakulären Tauchgängen an der SS President Coolidge stand für mich ein weiteres Highlight schon lange fest: die Besteigung des aktiven Vulkans Mount Yasur auf der Nachbarinsel Tanna.
Zum ersten Mal aufmerksam geworden bin ich auf diesen außergewöhnlichen Ort durch den Film „Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten“. Die beeindruckenden Bilder des glühenden Vulkans haben mich damals sofort fasziniert. Als ich Jahre später meine Reise nach Vanuatu plante, war deshalb schnell klar: Wenn ich schon einmal in diesem abgelegenen Inselstaat bin, dann möchte ich dieses Naturschauspiel unbedingt selbst erleben.
Der Tag begann bereits in den frühen Morgenstunden. Mit einer winzigen Passagiermaschine – gerade einmal acht Sitzplätze – ging es von Port Vila hinüber nach Tanna. Schon der Flug über die grün bewachsenen Inseln und das tiefblaue Meer war ein Erlebnis für sich.
Nach der Landung wartete allerdings noch der längste Teil der Anreise. Fast zwei Stunden ging es mit einem Geländewagen quer über die Insel. Von einer normalen Straße konnte dabei kaum die Rede sein. Vielmehr arbeiteten wir uns langsam über ausgefahrene Pisten, durch dichten Regenwald, über Geröll und tiefe Schlaglöcher voran. Der Jeep schaukelte, rumpelte und kämpfte sich Meter für Meter durch das unwegsame Gelände. Komfort spielte dabei keine Rolle – dafür bekam man einen authentischen Eindruck vom ursprünglichen Vanuatu.
Je näher wir dem Vulkan kamen, desto beeindruckender wurde die Landschaft. Schwarze Lavafelder, erkaltete Asche und eine fast unwirklich wirkende Umgebung ließen bereits erahnen, welche gewaltigen Kräfte hier unter der Erde wirken.
Überrascht hat mich allerdings etwas ganz anderes: Ich hatte fest damit gerechnet, einen typischen intensiven Schwefelgeruch wahrzunehmen, den es gar nicht gab. Stattdessen nahm man den Vulkan auf eine andere Art wahr. Immer wieder war ein tiefes Grollen aus dem Inneren der Erde zu hören. Es klang wie entferntes Donnergrollen, nur deutlich kraftvoller und regelmäßiger. Jeder Ausbruch erinnerte daran, dass man hier unmittelbar an einem der aktivsten Vulkane der Erde stand.
Der eigentliche Höhepunkt begann mit dem Einbruch der Dämmerung.
Während der Himmel langsam dunkler wurde, leuchtete der Krater immer intensiver. Plötzlich schossen glühende Lavafontänen in den Nachthimmel. Mit gewaltigem Donnern wurden rot glühende Lavabrocken mehrere Dutzend Meter hoch geschleudert, bevor sie wieder in den Krater zurückfielen. Jede Explosion war begleitet von einer Druckwelle und einem tiefen Grollen, das man nicht nur hören, sondern regelrecht im Körper spüren konnte.
Kein Foto und kein Film kann dieses Erlebnis wirklich wiedergeben. Die Kombination aus Dunkelheit, den rot glühenden Lavafontänen, dem Donnern des Vulkans und der gewaltigen Naturkulisse ist schlicht überwältigend. In solchen Momenten wird einem bewusst, welche ungeheure Kraft in unserem Planeten steckt.
Mount Yasur gilt als einer der am leichtesten zugänglichen aktiven Vulkane der Welt. Innerhalb weniger Minuten gelangt man vom Parkplatz bis an den Kraterrand. Trotzdem sollte man nie vergessen, dass man sich an einem aktiven Vulkan befindet. Die Sicherheitszonen werden je nach Aktivität regelmäßig angepasst, und den Anweisungen der Ranger sollte man unbedingt folgen.
Für mich war der Besuch des Mount Yasur ohne Zweifel einer der absoluten Höhepunkte meiner gesamten Reise durch Vanuatu. Solche Momente erlebt man vermutlich nur einmal im Leben – und sie bleiben für immer in Erinnerung.