In den vergangenen Tagen standen für mich einige ganz besondere Tauchgänge auf dem Programm. Vor der Küste von Espiritu Santo in Vanuatu, mitten in der Südsee, liegt eines der berühmtesten Schiffswracks der Welt – die SS President Coolidge. Für viele Wracktaucher gehört sie zu den absoluten Traumzielen und wird regelmäßig zu den spektakulärsten Tauchplätzen weltweit gezählt.
Die Geschichte des Schiffes ist ebenso faszinierend wie tragisch. Die SS President Coolidge wurde ursprünglich als luxuriöser Passagierdampfer gebaut, bevor sie während des Zweiten Weltkriegs zum Truppentransporter umgerüstet wurde. Im Oktober 1942 lief sie vor Espiritu Santo auf eigene Seeminen und sank innerhalb kurzer Zeit. Trotz des Unglücks konnten die meisten der über 5.000 Soldaten und Besatzungsmitglieder gerettet werden – eine bemerkenswerte Leistung angesichts der Größe des Schiffes.
Heute liegt das Wrack in einer Tiefe von etwa 25 bis 70 Metern. Dadurch bietet es sowohl erfahrenen Sporttauchern als auch technischen Tauchern einzigartige Möglichkeiten zur Erkundung. Meine Tauchgänge führten mich auf rund 35 Meter Tiefe. Besonders beeindruckend war das Eindringen in das Wrack. Durch die langen Gänge und weitläufigen Räume zu tauchen, ist ein unvergessliches Erlebnis. Überall begegnet man Zeugnissen der Vergangenheit, die die Geschichte dieses gewaltigen Schiffes eindrucksvoll lebendig werden lassen.
Da mein Tauchbuddy Martin leider nicht dabei ist (schnief..), gibt es von den Tauchgängen ausnahmsweise keine Unterwasserfotos.
Nur wenige Minuten vom Wrack der SS President Coolidge entfernt befindet sich ein weiterer geschichtsträchtiger Tauchplatz: der Million Dollar Point. Auch dieser Ort verdankt seine Entstehung dem Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende standen die amerikanischen Streitkräfte vor der Frage, was mit den riesigen Mengen an Fahrzeugen, Baumaschinen und militärischer Ausrüstung geschehen sollte. Da man das Material weder verkaufen noch verschenken wollte, wurden Lastwagen, Bulldozer, Kräne und unzählige weitere Ausrüstungsgegenstände kurzerhand ins Meer geschoben. So entstand ein weltweit einzigartiger Unterwasser-Schrottplatz, der heute zu den außergewöhnlichsten Tauchplätzen der Welt zählt.
Beide Tauchplätze zeigen eindrucksvoll, wie eng die Geschichte des Zweiten Weltkriegs mit Espiritu Santo verbunden ist. Gleichzeitig hat sich die Natur die Relikte im Laufe der Jahrzehnte zurückerobert. Korallen, Schwämme und unzählige Fischarten haben die Wracks und Fahrzeuge besiedelt und sie in faszinierende künstliche Riffe verwandelt.
Für mich waren diese Tauchtage zweifellos der eigentliche Höhepunkt meiner Reise nach Vanuatu. Die Kombination aus bewegender Geschichte, beeindruckenden Wracks und einer faszinierenden Unterwasserwelt macht Espiritu Santo zu einem Reiseziel, das ich jedem Wracktaucher uneingeschränkt empfehlen kann.