Wer in die Südsee reist, denkt an Palmen, türkisblaues Wasser und Traumstrände. Dass Abenteuer manchmal ganz unerwartet beginnen, habe ich heute in Vanuatu am eigenen Leib erlebt.
Ich saß ganz entspannt beim Frühstück im Hotel. Während ich gemütlich mit den Beinen wippte und durch meine Facebook-Nachrichten scrollte, fiel mir auf, dass sich der Tisch und sogar die Wände irgendwie im gleichen Rhythmus bewegten wie meine Beine.
Mein erster Gedanke war tatsächlich: Komisch, bilde ich mir das gerade ein?
Erst nach einigen Sekunden wurde mir klar, dass hier etwas überhaupt nicht stimmte. Der Fußboden vibrierte deutlich, die Wände des Hotels schwankten sichtbar und alles begann kräftig zu wackeln.
Die Einheimischen reagierten erstaunlich gelassen. Sie standen ruhig auf und gingen nach draußen. Keine Hektik, keine Panik – offenbar gehört so etwas hier fast schon zum Alltag.
Der Grund war ein Erdbeben.
Vanuatu liegt mitten im Pazifischen Feuerring (Pacific Ring of Fire) – einem rund 40.000 Kilometer langen Gürtel, an dem mehrere Erdplatten aufeinandertreffen. Rund 90 Prozent aller Erdbeben weltweit entstehen in dieser Region. Auch zahlreiche aktive Vulkane gehören zu diesem geologisch besonders aktiven Gebiet.
Später konnte ich nachlesen, dass das Erdbeben eine Stärke von 6,0 hatte. Glücklicherweise wurden bislang weder Schäden noch Verletzte gemeldet. Für die Menschen hier war es offenbar ein vergleichsweise normales Ereignis – für mich dagegen eine völlig neue Erfahrung.
Dabei wurde mir wieder bewusst, dass die Natur in Vanuatu beeindruckend schön, aber gleichzeitig unglaublich kraftvoll ist.
Erst vor gut anderthalb Jahren, am 17. Dezember 2024, wurde die Hauptstadt Port Vila von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,3 erschüttert. Damals kamen mehrere Menschen ums Leben, Hunderte wurden verletzt und zahlreiche Gebäude schwer beschädigt. Während meines Aufenthalts in Port Vila konnte ich an einigen Häusern die Spuren dieses Erdbebens noch immer erkennen.
Die Südsee ist eben nicht nur ein Paradies mit traumhaften Stränden und einer faszinierenden Unterwasserwelt. Sie ist auch eine Region, in der man die gewaltigen Kräfte der Natur hautnah erleben kann.
Hintergrundinformationen: Der Pazifische Feuerring
Der Pazifische Feuerring (Pacific Ring of Fire) ist ein etwa 40.000 Kilometer langer Gürtel rund um den Pazifischen Ozean. Hier treffen mehrere Erdplatten aufeinander und schieben sich gegeneinander oder untereinander.
Die Folgen:
- Rund 90 % aller Erdbeben weltweit entstehen in dieser Region.
- Etwa 75 % aller aktiven Vulkane der Erde liegen am Pazifischen Feuerring.
- Länder wie Japan, Indonesien, die Philippinen, Neuseeland, Chile – und eben auch Vanuatu – erleben deshalb regelmäßig Erdbeben und teilweise Vulkanausbrüche.
Für die Menschen vor Ort gehören kleinere Erdbeben zum Alltag. Deshalb reagieren viele Einheimische erstaunlich ruhig, solange keine unmittelbare Gefahr besteht.
Was bedeutet eigentlich die Stärke eines Erdbebens?
Die Stärke eines Erdbebens wird heute meist mit der Momenten-Magnituden-Skala (Mw) angegeben. Im Alltag wird häufig noch von der Richterskala gesprochen. Wichtig zu wissen ist: Diese Skala ist logarithmisch aufgebaut.
Das bedeutet: Ein Erdbeben der Stärke 7,3 ist nicht nur etwas stärker als eines der Stärke 6,0.
- Bei der gemessenen Ausschlagshöhe der Erdbebenwellen ist ein Erdbeben der Stärke 7,3 etwa 20-mal stärker als eines der Stärke 6,0.
- Bei der tatsächlich freigesetzten Energie beträgt der Unterschied sogar rund 90-mal.
Deshalb war das schwere Erdbeben von Port Vila im Dezember 2024 (7,3) um ein Vielfaches zerstörerischer als das Erdbeben der Stärke 6,0, das ich in Luganville erlebt habe. Das erklärt, warum das aktuelle Beben zwar deutlich zu spüren war, glücklicherweise aber keine Schäden verursacht hat.